Wie ich Miss May Aurora kennenlernte


Eigentlich wollte ich ja nur noch Unterricht nehmen, bis das eigene Pferd im Stall steht.
Leider erwies es sich als nicht wirklich einfach, einen guten Schulstall mit zeitlich erreichbaren Stunden zu finden. Also versuchte ich es mit der Suche nach einer RB, bei der ich auch die Möglichkeit zur Unterrichtsteilnahme habe.
Vier Pferde habe ich mir angeschaut. Natürlich war weit und breit kein Fjord zu finden. Und trotz des Hinweises, daß ich „normal nach FN“ reite, bekam ich Western gerittene Pferde angeboten. Lag vielleicht daran, daß ich erwähnt hatte, daß Mithilfe im Stall kein Problem ist…

Der erste Testkandidat war der 9jährige Bayernwallach „Rembl“, mit dem bescheidenen Stockmaß von 1,79 m. Da half selbst die Aufstieghilfe nur bedingt…. Allerdings war Rembl sehr angenehm zu reiten, war nur etwas mager und aus der Form, weil er vor zwei Monaten von Box auf Laufstall umgestellt wurde. Er steht also in einem 3***LAG-Stall. Weil er so groß ist, hat er sich allerdings gleich in den ersten Tagen am Fressständer den Schädel angehauen, jetzt hat er einen eigenen Bereich, mit noch einem anderen großen WB.
Nachteil an dem Stall: 40 Pferde haben nur einen Reitplatz und einen Roundpen zur Verfügung, von der Arbeit ist der Stall nur 15 Minuten entfernt, allerdings von zu Hause 70, wodurch Reiten am WE wieder hinfällig wäre.

Das zweite war eine 16jährige Trakehnerstute. Ein bildhübsches Pferd. Die Besitzerin hatte schon seit einem Jahr keinen Fuß mehr in den Stall gesetzt, und das Mädel, das sich um die Stute kümmerte, schaffte es nun zeitlich nicht mehr, alles alleine zu machen.
Die fast fertige Halle war mit Traktoren und anderen Geräten aufgefüllt. Auf dem Platz ist man auf dem Hufschlag eingerastet, wenn man also etwas so abenteuerliches wie einen Zirkel reiten wollte, mußte man einen Wall überwinden. Der Platz war seit Monaten nicht mehr geebnet worden.
Mit dem Stütchen bin ich überhaupt nicht warm geworden. Sie hat zwar nichts gemacht, aber das heißt auch, daß sie gar nichts gemacht hat.
Eine zweite Reiterin schwang sich auf ihr Pferd und zündete sich gleich eine Zigarette an. Da war bei mir dann Ende, auf dem Pferd finde ich Rauchen fast so unangebracht wie im Heulager…. Nur meine Meinung.
Als Zäumung war mir übrigens ein Pelham feilgeboten worden, in das nur unten Zügel eingeschnallt waren. Ich habe dann doch die Wassertrense genommen.

Danach bin ich einen ungarischen Warmblutwallach probegeritten, der schon 25 Jahre alt war und irgendwie ‚übrig‘.
Außer ihm gab es dort noch ein Pony, das der Tochter gehört, einen 8jährigen, gerade gelegten Bayernwallach, der unreitbar ist, weil er steigt, einen 24jährigen Bayern und einen Andalusierhengst mit einem so starken Senkrücken, daß mir gleich das Kreuz wehtat.

Dann meldete sich samstags noch jemand. Sie würde dringend jemanden für ihre 5jährige Paint-Stute suchen. Ich meinte, ich würde ein englisch gerittenes Pferd suchen, aber siehe da, die Kleine ist „normal“ ausgebildet. Der Stall ist ein Privater Offenstall, bzw. im Winter werden die Pferde in Laufboxen mit täglichem Winterweidegang gestellt. Es gibt einen beleuchteten Reitplatz und ein Gelände…GEIL! Die Besitzerin hat jede Menge Pferde…und ein gaaanz großes, weiches Herz….. Neben den Reitpferden, zwei Welsh Cobs Sissi (14) und Sohn Filius (7), einer Andalusierstute Maipost (oder so ähnlich, genannt Marie, 9), der Deutschen Reitponystute Biene (10) und „Miss May Aurora“, Paint Horse (5), gibt es noch die arme „Gioia“, eine Holsteiner Stute mit jeder Menge C’s und L’s im Pedigree, die als Fohlen in einen Graben rutschte und sich das Becken brach, woraufhin der Züchter sie halb verhungern ließ, sowie 11  Shetties, die zum Teil aus schlechter Haltung freigekauft wurden.
Alle mit super gepflegten Hufen. Die Besitzerin brauchte dringend jemanden, der May bewegt, bot mir aber auch an, mit Sissi Dressurstunden nehmen zu können. Mit May kann ich natürlich auch Unterricht bekommen, aber die kann fast noch nichts, ist erst mit vier angeritten worden.

Aber ich bin sie probegeritten, und ich war sehr begeistert. Und so ein gelassenes Pferd! Toll! Wäre sie kein Fuchs, sondern Falb…könnt glatt ein Fjord sein 😉 Ich war mir sicher, die ist die Richtige! Stall passt, Besitzerin Passt, Stallbesitzerin ist auch nett.

Am Sonntag lernte ich noch die RBs der anderen Pferde kennen. Lediglich Marie wird nur vo der Eigentümerin geritten. Kosten für 2-3x Reiten die Woche 60 Euro im Monat, dazu den halben Hufschmied. Reitunterricht muß ich natürlich auch bezahlen. Das ist für die Münchener Gegend ein richtig fairer Preis! Den ersten Ausritt haben wir gestern gemacht, und auch da hat die Kleine überzeugt. Mutige, kleine May, hat sogar die große, feige Marie am Bagger vorbeigeführt…

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