Miss May stellt sich vor


Mein Name ist May.
Also, eigentlich heiße ich ja „Miss May
Aurora“. Ich wußte ja nicht, was das heißt, aber Meike hat mir gesagt, daß „Miss“ eine unverheiratete Frau ist, „May“ englisch ist und für den Monat „Mai“ das Wort ist. Klingt gleich, sind aber andere Sprachen. Menschen…. Und „Aurora“ ist lateinisch und heißt Morgenröte. Ich bin vielsprachig! Ich bin also Fräulein Mai Morgenröte. Ich muß ja nicht verstehen, was ihr Menschen damit sagen wollt. Biene ist viel roter als ich, aber die heißt Biene, dabei sind die gelb-schwarz. Und Marie heißt eigentlich Mariposa und das heißt Schmetterling. Aber wenigstens gibt es auch weiße Schmetterlinge.
Meike meint, im Mai gibt es vielleicht schöne rotgoldene Sonnenaufgänge, und ich wäre halt genauso schön wie ein Sonnenaufgang.
Ich glaube, sie will sich einschleimen.
Jedenfalls kommt die Meike jetzt zwei, drei Mal die Woche, um mit mir zu reiten. Und gestern, da meinte sie, wir probieren heute etwas aus. Und zwar das alleine rausgehen.
Ich wußte nicht, was sie damit meint, denn ich bin doch immer draußen. In den Stall gehen wir nur, wenn es uns zu naß oder zu kalt oder zu windig ist. Aber macht nichts, ich wartete gespannt, was da wohl kommen würde.
Sie saß schon unten am Stall auf und entschuldigte sich wieder mal wegen ihrer Turnerei mit dieser neuen Hose.
Bin ich froh, daß ich keine Hosen tragen muß. Meike meinte zwar, ich hätte auch welche, aber irgendwie glaube ich, die redete im Wahn, ich habe noch nie so komische Dinger um meine Beine gewickelt….Muß super unbequem sein, so wie die jammert. Selbst schuld, was hat sie die andere auch kaputt gemacht.
Wir gingen Richtung Reitplatz, und wie immer versuchte ich mit ein bißchen Schleich-Schritt darauf hinzuweisen, daß ich gerne die Sissi oder die Marie mitnehmen würde. Oder vielleicht die Heli, die ist schonmal mit mir auf dem Platz gewesen, das ist die neue Nachbarin. Aber nach ein paar Metern wußte ich, daß ich jetzt wieder alleine Turnübungen auf dem Reitplatz würde machen müssen. Wie langweilig.
Auf dem Weg nach oben kamen mir an einer Stelle einer von den Acker-Rollern entgegen, und einer kam von hinten angebraust. Ich sollte stehenbleiben, und ich guckte mit gespitzen Öhrchen (ich habe nämlich sehr süße, kleine, wohlgeformte Öhrchen!). Ganz ehrlich, ein bißchen aufgeregt war ich schon, ich hab vor Spannung ein bißchen was fallenlassen, wie peinlich, aber ich bin ganz ruhig stehengeblieben.
Boah, das hat sich voll gelohnt! Meike meinte, wer so wenig Angst vor Traktoren hat (leider weiß ich nicht, was das ist, aber vielleicht ist es englisch für Acker-Roller), hat ein Leckerli verdient! Ich bekam eines mit Banane vom Sattel aus gereicht. Lecker!
Dann kamen wir durch das Dorf, und es waren ganz viele Straßen-Roller unterwegs. Den einen kannte ich schon, die Meike sagt, daß ist der Idiot mit dem Touareg. Aber der ist mir egal. Die Frau mit dem roten Straßen-Roller war mir auch egal, obwohl die mitten auf der Straße durch die Kurve kam. Meine Reiterin meinte, ein Papst-Fähnchen am Auto würde wohl keine christliche Fahrweise voraussetzen. Ich weiß nicht, wer der Papst und die christlichen sind, aber sie brauchen anscheinend die ganze Straße für sich.
Dann kam das spannende: Meike wollte gar nicht auf den Platz, wir sind dran vorbei, richtung Wald! Puh! Oh mann! Ganz alleine! Da hab ich natürlich alles ganz genau angeschaut.
Bei dem Ding in der Wiese, das die Meike „Wie kann man einen Heuwender so dämlich am Wegesrand stehen lassen!“ nannte, hätte ich am liebsten ein ganz großes anderes Pferd gehabt, um mich dahinter zu verstecken. Die Gioia vielleicht, die ist riesig, aber da kann man fast unterm Bauch durchschauen.
Dann sind wir in den Wald, und es war ganz still, und duftig war es auch. Und es gibt so viel zu sehen! Ich mußte alles anschauen, und Meike schimpfte, ich solle nicht immer dahin laufen, wo ich hinschaue, und ich soll meine Füße ncht vergessen. Als ob die abfallen können..
Dann, an dem Zaun mit den großen Drahtlöchern, an den ich nicht nah hindarf, weil Meike Angst vor dem Ding hat, kam von hinten ein femdes Pferd. Ui, ui, das war voll aufregend! ich hab mich quer auf den Weg gestellt, damit ich es genau anschauen kann. Die Meike und die Reiterin, die Birgit heißt, haben sich kurz unterhalten, und dann durfte ich mit der Laura mitgehen.
So heißt die nämlich.
Laura hat uns ein Stück begleitet, die hat vielleicht große Schritte, da muß ich mich ganz schön anstrengen.
Laura ist aber ein freches Pferd.
Meike sagt, ein Schlitzohr, aber ich fand ihre Ohren okay.
Die Birgit ist nämlich abgestiegen und hat Laura geführt, wenn Laura so getan hat, als wäre irgendwas ganz furchtbares. Zum Beispiel waren da Menschen, die große Futtersäcke in die Luft geworfen haben, die sie dann mit Schnüren gelenkt haben. Ich find ja so Menschenkrams immer interessant, aber Laura hat sich voll auf die Hinterhufe gemacht…
Im Galopp war ich dann fast so schnell wie Laura, aber ich darf ja immer nicht ganz doll laufen, weil ich soll gesittet laufen. Naja, dann bleib ich eben langsam, wenn die da oben Sitten will.
Laura mußte dann woanders hin, und an der Stelle, wo sir uns trennten, kam ein Straßen-Roller mit Stall hintendran. Boah, hat die Laura da schnell die Flucht ergriffen. Ich hab mal dran geschnüffelt, weil die sind ganz langsam gerollt. Meike meinte, das sind Holländer, die haben gelbe Nummernschilder und haben sich verfahren. Ob wohl alle, die den Weg nicht finden, gelbe Schilder bekommen?
Den Straßenberg zum Stall runter führt Meike mich meistens. Sie hat dann mit einem Teil, was sie sich gewöhlich ans Ohr hält, unseren Schatten abgebildert. Jedenfalls war das, was ich auf der Straße sehen konnte, dann in dem Ohr-Teil zu sehen. Ich war so erstaunt, daß ich schon wieder etwas fallenlassen mußte.
Da haben so Menschen gesagt, daß man das schon wegmachen muß. Das war mir voll peinlich. Meike sagte, auf der Straße auf dem Land wäre das eigentlich egal, aber sie würde es dann noch wegräumen. Ganz leise hat sie gesagt, blöde Städter, aber wegen einem Haufen Sch*** will sie sich nicht streiten.
Zu Hause habe ich dann Müsli bekommen und bin danach gleich zu Filus, Biene und Mariposa galoppiert, um ihnen alles zu erzählen.

Heute habe ich noch schnell auf der Koppel alles fallengelassen, was ich finden konnte. Damit die Städter nicht wieder schreien….

Ein bißchen steif war ich heute schon, aber ich bin nach ein paar Runden Strecken auf dem Platz wieder voll entspannt gewesen und habe mal ein bißchen auf dem Metallgebamsel da im Maul rumgekaut und mich ein bißchen rund gestreckt.
Wie einfach man Euch Menschen eine Freude bereiten kann, die ist ja nicht mehr aus dem Jubeln gekommen, da auf meinem Rücken….

Liebe Grüße

Eure May


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