Miss May und der Kürbis


Hier ist mal wieder Eure May.

Heute war Meike zu meiner Überraschung schon um zwei Uhr da. Und das am Donnerstag!
Sie hat mir dann erklärt, daß heute ein Feiertag ist, an dem die Menschen ihrer Toten Gedenken und zu dem Zweck im schicksten Ausgeh-Kostüm auf den Friedhof rennen. Warum die das unbedingt heute machen, und zwar in rauen Mengen, und das nicht aufs Jahr verteilen, das verstehe ich nicht. Brauchen Menschen denn bestimmte Tage, um an ihre Toten zu denken? Muß man sie am Ende daran erinnern, sich zu erinnern?
Meike hat gesagt, daß mit dem Tag heute hat was mit Glauben und Kirche zu tun. Klar, der Friedhof ist ja bei der Kirche. Meike hat gesagt, sie hat heute fast nicht kommen können, weil die Leute alle kreuz und quer ihre Autos geparkt hatten, um zu den Gräbern zu kommen, da konnte man kaum noch fahren.
Wir wollten heute dann jedenfalls ausreiten, weil nämlich der ganze Nebel weggegangen ist und man sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen konnte.
Wir stehen jetzt wieder in unserem Winterquartier, da gehen wir über nacht in kuschelige Boxen, tagsüber laufen wir auf Paddocks. Die arme Biene, die teilt sich eine Box mit dem doofen Filius. Aber sie sagt dem schon, wo’s langgeht. Ich hab wieder die Marie als Nachbarin, und durch ein Fenster kann ich zu Gioia und Sissi gucken. Und auf meiner anderen Seite ist wieder der Laufstall von den Shettys. Kleine laufende Pelze, die MEINE Leckerchen auffressen!!!!!
Als wir durchs Dorf in den Winterstall gelaufen sind, gab es was interessantes zu sehen. Viele Familien hatten einen Kürbis vor der Tür stehen. Und viele dieser Kürb… Kürbi…. Kür… Kürben hatten Gesichter, und durch die Gesichter konnte man ein Licht sehen.
Meike hat mir erklärt, daß es in Amerika – Das ist ganz weit weg, sagt sie, aber vielleicht kann ich ja doch mal hinlaufen – eine Tradition ist, am Abend vor dem Gräber-Besuchs-Tag diese Gesichts-Kürben vor die Tür zu stellen, und die Menschenkinder verkleiden sich dann als kleine Geister und Hexen. So verkleidet gehen sie auch zu fremden Leuten und klingeln da und bekommen dann Süßigkeiten.
Das fände ich toll!
Ich klopfe bei fremden Ställen an und bekomme Leckerli!
Jedenfalls weiß ich jetzt bescheid, was Menschen planen, wenn sie Kürben zerschneiden. Das haben sie sich in Amerika agbeguckt.
Wir sind heute mit dem Zimt-Shetty zusammen losgegangen. Das Zimt trägt nämlich jetzt immer ein kleines Menschenmädchen herum, die kleine Lea. Die ist immer ganz begeistert von dem Zwerg, und ihre Mutter zeigt ihr, wie man das Zimt richtig putzt. Oben am Wald ist Meike dann aber mit mir losgetrabt, und das Zimt wurde ja von der Mutter von Lea geführt, und deswegen ist es nicht mitgelaufen.
Auf der einen Lichtung wollte ich galoppieren, aber Meike nicht. Sie wollte traben, dabei geht es doch da Richtung nach Hause! Ich hab dann gezappelt. Da hab ich Ärger bekommen. Und mußte den Weg ZURÜCK von zu Hause weg galoppieren!!!!! Und den gleichen weg dann im Schritt richtung zu Hause GEHEN! Mann…
Dafür wurde ich dann gelobt, als uns später andere Pferde entgegenkamen und ich nicht gezögert habe, sondern nur mal das Öhrchen in deren Richtung gekippt habe. Jawohl!
Mitten im Wald begegnete uns dann der Kreisch-Trupp. Die nennt Meike so, weil da immer alle ganz laut rufen und schreien. Die wohnen auch bei uns im Dorf. Der Mann, der saß auf dem Tinker-Hengst, alle anderen gingen zu Fuß. Und der Mann, der hatte im Wald eine Sonnenbrille an, damit es noch dunkler ist. Der wollte sich wohl in den Geister-Abend versetzen.
Und den Tinker, den haben sie auch in den Geister-Abend versetzt. Der war wie ein Kürbis angemalt, so orange. Die Füße und die Mähne und der Hals. Mit dem sind die wohl klingeln gegangen. . Er hat mir ja fast leid getan, aber sein Hintern sieht ja schon aus wie ein Kürbis…

AUA!

Jetzt hat Meike mir auf die Hufe gehauen. Sie sagt, wer selber einen properen Painthorse-Popo hat, noch dazu fast orange, sollte besser seine Klappe halten.

Püh!

Dann gehe ich jetzt eben Heu fressen.

Tschüß, und grüßt eure Ponys von mir!

Eure Miss May Aurora

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