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Fotomarathon Dresden – Der Lauf des Lebens….

März 2014

Wieso eigentlich Dresden, wenn man doch bei München wohnt?
Die haben da doch ihren eigenen.
Den haben sie, aber immer dann, wenn ich keine Zeit habe. Und man muss zugeben, dass ich seit meines ersten Fotomarathons in Wien 2004 – damals noch analog – so ein kleines bisschen süchtig geworden bin.
Meine Fotomarathonfreundin und ich meldeten uns für Ulm an, die dieses Jahr zum ersten Mal zu den Veranstaltern zählen, und wie ich so auf der Seite rumschmökere, finde ich die Daten für andere Marathons.
Und Dresden liegt zeitlich gut. Und da wollte ich schon immer mal hin.
Und schwupp – angemeldet für meine erste Reise nach Dresden… sozusagen.
Meine Fotomarathonfreundin hat keine Zeit. Und so droht mir der erste Marathon (5x Wien und 1x Hamburg), den ich alleine bestreiten muss. Der mitreisende Ehemann möchte nicht so 100%ig gerne 5 Stunden durch ganz Dresden jagen…
Alleine. Au weia.

Anfang April 2014

Ich beginne, mich in den Dresdner Marathon einzulesen.
Die Vorfreude steigt, die Themen der ersten drei Veranstaltungen waren richtig super! Vor allem beim 2011er wäre ich gerne dabei gewesen…
Langsam dämmert mir, dass alleine in einer fremden Stadt auf Wettbewerbs-Motivjagd zu gehen nicht so die beste Idee ist. Ich bestelle mir einen Reiseführer mit Stadtplan im Internet.
Und lese zum ersten Mal im Leben so ein Ding tatsächlich durch…

20. April 2014

Es sind noch 6 Tage bis zum Fotomarathon. Es ist Regen angesagt. Behauptet zumindest die 9-Tage-Vorschau auf der FMDD (abk. Fotomarathon Dresden) Seite.
Meine wasserdichte 3 in 1 Regenjacke, letztes Jahr im stundenlangen Regen beim Wiener Marathon getestet, habe ich Anfang des Jahres mittels Weichspüler wasserdurchlässig gemacht… Oh Gott!
Ich bestelle per Overnight eine wasser-, wind- und überhauptdichte Jacke.
Was muss, das muss…

25. April 2014

Es geht los! Per Auto werden die gut 520km Wasserburg am Inn – Dresden bewältigt.
Wir trödeln beim Losfahren – Ich muss ja dringend noch die Overnight-Jacke bei der Poststation abholen – und kommen gegen 21 Uhr in der sächsischen Hauptstadt an. Der Blick aus dem Hotelfenster verspricht eine interessante Stadt – von Frauenkirche bis Plattenbauhochhaus – und mit sternenklarem Himmel Aussicht auf einen schönen nächsten Tag.

26. April 2014 – Fotomarathon-Tag!

Mein Mann erkennt seine Frau nicht wieder.
Früh um acht wird durch das Hotelzimmer gewirbelt, der Kamerarucksack wird dreimal umgepackt. So wirklich brauche ich das lichtstarke Tele vermutlich nicht, aber weiiiissss man’s?
„Das Datum stimmt immer noch!“
brummt der Ehegatte, als zum x-ten Mal das Menü aufgerufen wird.
Es wird gefrühstückt, die Kameratasche bleibt bei Fuss, und los geht’s!
In einem Schreibwarenladen werden noch einige vermutlich unnötige Ausstattungsgegenstände erworben… Und weiter zum Hygienemuseum!
Da kann ich ja sogar zu Fuss hingehen.

Ich bin kurz vor zwölf am Startpunkt, einige andere sind auch schon da, ich bekomme Startnummer, Stadtplan, Rechteabtretung und einen Eisgutschein ausgehändigt, und dann setze ich mich in den Schatten auf die Treppe und sinniere, wie ich nun die 198 irgendwie kreativ gestalten UND in das erste Foto einbauen kann.

20140427-235913.jpg

Ich weiss zwar das Thema noch nicht, aber ich beschliesse, dass die Veranstalter rechnen müssen. So’n bisschen.
Der nette Herr neben mir hat seinen unschuldigen, nicht fotografierenden Bekannten mitgeschleift, die Frauen der beiden entspannen derweil wohl auf einer Bootsfahrt. Ob sich der Bekannte im Verlauf des Tages wohl mal gewünscht hat, auch lieber auf dem Sonnendeck zu liegen?

Kurz vor eins, einer vom Team greift zum Mikro und begrüsst die Teilnehmer!
Und kurz nach eins gibt es endlich die begehrten Zettel.
5 Themen und ein Zwischenziel.
„Der Lauf des Lebens“

Hmmmmm……

Das Licht der Welt erblicken
Spielend durchs Leben
Wissenshäufung
Blind vor Liebe
Auf der Überholspur

Uff.
Gleich mal abfotografieren und an die Fotomarathonfreundin und den Ehegatten schicken.
Ich besuche vor Schreck erst nochmal ganz in Ruhe die Waschräume des Hygienemuseums und fange dann an zu denken.
Kinder? Menschen?….. Naaaaaa….
Pflanzen? Hm, hab schon so viele gesehen, die als erstes eine Gegenlichtaufnahme durch das Baumlaub gemacht haben…
Hmpf.
Ich entscheide mich schliesslich, wie vermutlich viele andere auch, zur Gläsernen Manufaktur zu laufen. Da erblicken Phaetons das Licht der Welt.
Und weil ich mich ja so spitzenmässig in Dresden auskenne, laufe ich erstmal ganz gepflegt in die falsche Richtung…
Das fällt mir dann auf, als ich am Fussballstadion vorbei (!) gelaufen bin und an der nächsten Kreuzung stehe.
Hä, Fussballstadion?
Ich befrage im Smartphone Google Maps, welches mich umgehend auslacht und laut „HA HA, BLOND, NE?“ ruft.
Also, umdrehen und die ganze Strecke zurück. Die Trambahnen haben so einen komischen Takt, dass ich tatsächlich zu Fuss schneller bin.
Foto 1 also.
Startnummer aufbauen. 1 und 5+4 und 6+2
😀
Das Startfoto ist noch einfach, das kann man ja notfalls löschen und neu anfangen.
Nachdem ich eine hübsche Nr. 1 im Kasten habe, schreite ich zur 2.
Und weil die Belichtung doof ist, also nicht 100% meine Meinung, laufe ich nochmal zur Manufaktur, lösche alles, und fange nochmal von vorne an.
Und das mache ich komplett so noch ein zweites Mal.
*grummel*
Schliesslich streiche ich die Idee für Thema 2.
Ich kaufe erstmal endlich mein Tagesticket und mach mich auf gen Innenstadt.
Nach mehrfacher Prüfung, ob das denn auch die richtige Richtung ist, steige ich in die Tram.
An meinem nächsten Ziel angekommen bin ich erstmal überwältigt von der Frauenkirche… und den unglaublichen Menschenmassen o.O
Da ist fotografieren mit ohne fremden Menschen auf dem Bild fast nicht möglich.
Auf dem Platz sehe ich dann tatsächlich auch eine ganz nette Location für Thema 3. Ich habe mich dazu entschlossen, auf jedes Foto irgendein Fahrzeug zu bannen, nachdem ich ja nun mit einer Fahrzeug-Geburtsstätte angefangen hatte.
Tja, da stehe ich nun und überlege, wo ich in der Innenstadt nun ein verspieltes Fahrzeug herkriege.
Spielzeugauto?
Rund um den Platz, auf dem ich hier bin, gibt es nur Restaurants.
Und so gelange ich schon bei Foto 2 in den
Fotomarathonzustand A: Mir ist jetzt eh nix mehr peinlich!
Ich kaufe in einem Souvenirshop einen hellblauen Spielzeugtrabi.
Foto 2 wird an der Elbe geschossen, das Spielzeug balanciert auf dem Geländer, das in der Unschärfe verschwindet. Man muss da schon sehr viel interpretieren. Aber das Bild gefällt mir. Was ja nun zweitrangig ist, ich hätte es eh nicht löschen können/dürfen.
Foto 3 folgt auf dem Fusse. Viel Wissen rund um Fahrzeuge häuft sich im Transport Museum.
Es ist 15 Uhr, mir fehlen noch zwei Bilder von Block 1. Bis 16 Uhr muss man in der Zwischenstation sein. Ich schaue noch einmal nach, wo die genau ist. Und schon befinde ich mich in
Fotomarathonzustand B: PANIK!
Ich frage mich, wie lange man wohl mit der Trambahn bis zur Alaunstrasse braucht?! In Wien und Hamburg konnte ich das abschätzen, in Wien hatte ich eine Weile gewohnt, in Hamburg war ich schon sehr oft, aber hier? Ich eile zur Bahn zurück und freue mich, an der Haltestelle andere Fotomarathonisti zu finden und laufe denen einfach hinterher.
Vor der Bäckerei stehen wir dann etwas ratlos, bis sich eine Verkäuferin erbarmt und uns rüber auf den Flohmarktplatz schickt.
Ich kaue mittlerweile auf einem Plunderteilchen herum und stehe dann hysterisch lachend vor dem Menschen, der Eierschecke an die Teilnehmer verteilt.
So ein Mist, und ich hab keinen Hunger mehr :(
Leicht gefrustet greife ich mir einen Zettel und suche einen Sitzplatz.
Auf einem Betonsockel nehme ich schliesslich Platz. Wie sich wenig später herausstellt, auch auf einem alten Caramellbonbon.
Die weiteren Themen sind

6. Eins und eins macht drei
7. Höhen und Tiefen
8. Zweiter Frühling
9. Vergessen macht einsam
10. Abschied

Ich versuche, mich von meinem Betonsockelcaramell zu lösen, und entdecke beim Loslaufen meine Nummer vier, ein orangenes Auto mit einem Riesenherz auf dem Dach.
Haben bestimmt auch andere – falls noch jemand so verzweifelt im Block 1 herumkrebsen sollte – aber nun… die Zeit läuft mir davon.
Auf dem Rückweg möchte ich zu Fuss über die Brücke laufen – ich glaube, sie heisst Carolabrücke – um die Überholspur anzuvisieren.
Während ich überlege, von wo aus ich die Aufnahme mache, kommt ein Rettungswagen über die Brücke.
„Steilvorlage!“ schreit das Fotomarathonteilnehmerherz,
„Gnaaaahhhhh, du hast nur einen Schuss!“ streikt das Hobbyfotografenhirn.

KLICK

Fotomarathonzustand C: Verzweiflung.
Das war ja dann wohl das Streichergebnis. Wie kann man es nur schaffen, bei einem Rettungswagen im Einsatz die Millisekunde zu erwischen, in der keine Leuchtreklame zu sehen ist? Auch ansonsten ist das Bild nicht der Brüller, und überhaupt…
Jetzt erstmal Thema 6, und auf diesem Parkplatz hat auch kein einziges Auto einen Kindersitz drin.
Heule ich jetzt oder später?
Später. Einsatz 2 für meinen hellblauen Trabi. Is jetzt eh schon wurscht.
Parken können die hier auch nicht, die Autos stehen echt weit auseinander, aber irgendwie krieg ich zwei grosse und ein kleines Auto zusammen… Aua.
Höhen und Tiefen. Und das erste Mal, dass ich wirklich laut über die Regel mit dem Querformat fluche. Mensch, so ein Thema schreit doch nach Hochformat. Meine Tiefgarageneinfahrt passt nicht quer.
*schmoll*
Ich laufe wieder etwas wirr in der Stadtmitte rum – man sollte sich ja langsam dem Ziel nähern, das irgendwie ganz da hinten rechts ist. Dabei war ich gerade oben links. Das nimmt ja hier wirklich sportliche Formen an…
Da ziehen auch schon arg dunkle Wolken auf. Ein Tief sozusagen. Wie kriege ich da jetzt ein fahrzeugiges Hoch dazu? Nicht so einfallsreich und wieder äusserst interpretationsbedürftig nehme ich ein Durchfahrtshöhenschild vor den dunklen Wolken auf.
Zweiter Frühling?
Ich brauche einen Oldtimer. Oder… warte, war da nicht so eine altertümliche, wiederbelebte Kutsche bei der Frauenkirche gewesen, mit so bedauernswerten Pferden davor?
Die Kutsche ist nicht da, aber dafür ein echter Trabi, der jetzt Stadtrundfahrten macht! Nehm ich, mit schöner Kulisse, in gewisser Weise haben Frauenkirche und Neumarkt ja auch einen zweiten Frühling.
Vergessen macht einsam.
Ein altes, zugestaubtes Auto finde ich hier natürlich nicht, aber eben bin ich doch an so einem schönen alten Fahrrad an einem Blumenkasten vorbeigekommen… Das finde ich natürlich nicht mehr, aber dafür ein anderes. Schwierigkeit ist hier, den Platz so menschenfrei wie möglich zu erwischen. Was wollen denn nur die ganzen Leute in meinem Motiv??? 😉
Abschied
Fotomarathonzustand D: Euphorie
Nur noch EIN Foto und man ist noch IN der Zeit!
Per SMS hatte ich den Ehemann um Hilfe gebeten, doch der eine Autofriedhof, den er gefunden hat, ist erstens weit weg und zweitens geschlossen.
Also postiere ich mich an einem Taxistand.
Und stelle fest: Das Taxi ist in Dresden nicht das Fortbewegungsmittel der Wahl. Keiner kommt und mag wegfahren.
Und ich hab doch keine Zeit *heul*
Also gebe ich mich geschlagen und fahre zum Hauptbahnhof.
Wo übrigens genau gar kein Zug gerade WEGfährt. Nehm ich halt einen der steht, welch anspruchsvolles Motiv. Ich hätte schon gerne mal eine Langzeitbelichtung… Aber nun, hilft nix, denn ich muss zur Techniksammlung.
Das sieht weit aus.
Und in der richtigen Tram – in die richtige Richtung – kommt auch noch eine Ansage mit Sperrung und Dings und so und Haltestelle Pohlandstrasse doch bitte an der Haltestelle Dingenskirchen in die 44 umsteigen.
WHAT?

Fotomarathonzustand E: Torschlusspanik!
Schaff ich das noch rechtzeitig?

In der Tram sitzen wieder andere Teilnehmer, und ich renne wieder lemmingmässig hinterher. Mit dem Aufzug geht’s rauf in den Turm, ein bisschen anstehen, es ist 17:50 Uhr, als meine Fotos ausgelesen werden.

Fotomarathonzustand F: Freude

Ich hab es geschafft! Alleine! Und es sind 10 Bilder in der richtigen Reihenfolge!

Runter nehme ich die Treppe, rufe den besten Ehemann der Welt an, um die Abhol-Location durchzugeben… Und kaufe mir im benachbarten Supermarkt die grösste Dose Red Bull, die man kriegen kann, und Schokolade! Das eine, um Energie zu spenden, das andere, weil ich es mir verdient habe.
Und während ich so vor mich hin warte, beschliesse ich, nächstes Jahr wieder mitzumachen, wenn der Termin passt.
Die Organisation war super, die Themen anspruchsvoll, aber gut, und die Locations waren so verteilt, dass man wirklich viel von der Stadt gesehen hat.
Und das alles kann man ja nicht unfotografiert lassen!

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